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Von wegen verpasst

Es ist schon dunkel, als ich das Gebäude verlasse. Mein Blick bleibt an der nächtlichen Rhein-Kulisse hängen. Und ich merke sofort: Ich schaue mir dieses Bild nicht an, ich sauge es auf. Ich bin mal wieder in dieser Jedes-Detail-um-dich-herum-ist-ein-kleines-Wunder-Stimmung. So laufe ich mit total wachem Geist durch die Straßen und nehme alles sehr intensiv wahr – wie im Film, fast surreal. In dem kleinen Park lege ich mich auf den Boden, um die aus den Steinen weichende Wärme zu spüren. Autos rauschen und Züge quietschen, und versonnen sehe ich in den Sternenhimmel. Das Gerümpel der Baustelle in der Unterführung strahlt in seinem Chaos bei dem kalten Licht plötzlich eine spröde Schönheit aus.

Und der Bauschutt-Container hält sogar noch ein weiteres Geschenk für mich bereit: Holz. Gierig halte ich meine Nase daran. „Diese Baustelle wird videoüberwacht.“ Was sonst eher bedrohlich wirkt, inspiriert mich nun, mit dem mutmaßlichen Voyeur Kontakt aufzunehmen: Ich suche die Kamera, um neugierig hineinzugrinsen und mir das Gesicht auf der anderen Seite vorzustellen. Am Gleis angekommen fährt mir der Zug vor der Nase weg. Statt mich zu ärgern, schmunzele ich und freue mich über das Jetzt, das mir so demonstrativ auf die Füße getreten ist. Habe ich mich wirklich bemüht, den Zug zu kriegen? Und so schwebe ich weiter durch die Nacht und falle von einem Staunen ins nächste. Grinsend stelle ich mir vor, wie ich den nächsten Zug verpasse…