Close

Langsam-bis-gar-nichts-Stimmung

Blaues Meer, traumhafte Strände, schöne Berglandschaften und vor allem Pizza, Pasta, Vino und natürlich jede Menge Amore – Das sind die Worte, mit denen wir Italien beschreiben würden. Und genau das habe ich auch im Kopf bzw. Herzen, wenn ich an meine große Reise denke, die ich vor einigen Jahren allein durch dieses faszinierende Land machte oder wenn ich an das große Workshop-Retreat mitten in der Toskana denke… Unsere Workshopteilnehmenden hier auf dem Bild machten es schon richtig und generell können wir uns eine dicke Scheibe in Sachen Gelassenheit und Entspannung bei unseren Nachbarn abschneiden. Denn die Italiener haben ein berühmtes Sprichwort: “Dolce far Niente”, was soviel bedeutet wie “die Süße des Nichtstuns”. Das meint in keinem Falle Faulheit, sondern auf die Freude, die man empfindet, wenn man einfach mal die Seele baumeln lässt und eben – nichts tut. 

Wann habt ihr das letzte Mal bewusst nichts getan? Oder zumindest einen Gang zurückgeschraubt? Wie hat sich das angefühlt?

Zugegebenermaßen fällt mir das ja echt schwer!

Neulich saß ich am großen Fenster im Schaukelstuhl bei meinen Eltern im Haus und betrachtete den großen Mammutbaum im Garten. Der Kleine in der Kita, die Eltern unterwegs, und ich hier am Wippen – wohl wissend, dass unglaublich viel offene To Dos auf meiner Liste stehen: Artikel schreiben, Vorträge vorbereiten, an Meetings teilnehmen. Doch der Mammutbaum hat mich in seinen Bann gezogen. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass diese mächtigen Bäume zur Nervenstärkung dienen und bei der Klärung des eigenen Biorhythmus helfen können. Jedenfalls kann ich für eine Zeit nicht anders als dieses mächtige Gewächs, seine starken Äste und die zierlichen Nadeln zu bestaunen. 

Beim Zurücklehnen denke ich mir  “Eigentlich gibt es so viel zu tun, aber ich habe heute irgendwie eine “Langsam-bis-gar-nichts-Stimmung” und bin kurz davor Sachen von meiner To Do Liste zu streichen und Termine abzusagen.”

Trotz meines schlechten Gewissens, das sich sofort meldet, als ich nur daran denke, heute mal langsam beziehungsweise gar nichts zu machen, habe ich meiner Intuition nachgegeben, sozusagen auf meinen Biorythmus gehört, und den Tag komplett anders gestaltet, als ich ihn geplant hatte – und das tat mir richtig gut! Daher möchte ich euch gerne ans Herz legen, ab und an das Nichts- bzw. Wenigtun zu zelebrieren. Es ist ungeheuer wichtig, dass wir auf unser Inneres hören und uns rausnehmen, wann immer wir es benötigen. 

Auf unseren Biorhythmus hören

Die Natur macht es uns vor: Bäume verlieren im Herbst ihre Blätter und bereiten sich so auf den Winter vor, die Jahreszeit, in der sie auf Sparmodus leben. Natürlich müssen und sollten wir nicht wie manche Pflanzen und Tiere Winterschlaf halten – aber uns der Natur vielleicht etwas abschauen und mit unserer Energie haushalten. Eben auch in den Sparmodus versetzen. 

Gerade in der jetzigen Jahreszeit in der viele mit der sogenannten „Frühjahrsmüdigkeit zu kämpfen haben, kommen wir häufig nicht in die Pushen. Wir haben keine Lust auf unsere Aufgaben und quälen uns durch so manchen Tag. Im Prinzip kämpfen wir so gegen unseren eigenen Biorhythmus an, der uns genau aufzeigen will, wann wir produktiv sind – und wann eben nicht. Wenn wir merken, dass wir an einem Tag gerädert sind, uns die Motivation einfach nicht packt und wir nur so vor uns hindümpeln, dann ist das sicher nicht der beste Tag dafür, große Projekte anzugehen. Dann lieber einen Schritt zurückgehen, langsam machen und dafür am nächsten Tag mit voller Energie an die Aufgaben ran. 

Unser eigener Biorhythmus hat auch viel mit unserem Schlafverhalten zu tun. Natürlich gibt es Menschen, die produktiver am Morgen sind, also die Lerchen, und diejenigen, die Abends noch einmal richtig Gas geben könne, die Eulen. Im Prinzip kennt jeder seine innere Uhr am besten und ich kann nur empfehlen, auf diese zu hören. Meine Morgende beginnen beispielsweise sehr intuitiv, ganz ohne Wecker. Ich habe das Gefühl, dass mein Körper genau weiß, wie viel Schlaf er benötigt und ich wach werde, sobald ich ausgeschlafen bin – außer natürlich mein Kleiner ist vor mir wach und muss jetzt ganz dringend und sofort mit seinem Bagger spielen.

Einfach mal nichts tun

Als wir Kinder waren schien es so einfach mit dem einfach mal nichts tun. Wir waren mit dem einen Spiel fertig, wussten nichts mehr mit uns anzufangen und haben uns gelangweilt. Und diese lange Weile auch ausgehalten. Heute wird an jeder Bushaltestelle, in jeder Supermarktkassenschlange das Handy gezückt. Wenn wir auf etwas (oder jemanden) warten, halten wir das rumsitzen und -stehen kaum aus, sondern schauen nach, was in der Online-Welt abgeht. 

Einfach mal nichts zu tun, sprich auch das Handy in der Tasche zu lassen und lediglich auf den Bus zu warten, erscheint uns als pure Zeitverschwendung, denn in dieser Phase leisten wir ja nichts, sind nicht produktiv oder „gefragt“. In einer Welt, die sich durch Produktivität, Leistung und dergleichen definiert, ein no-go, oder etwa nicht? Auch wenn es zunächst paradox erscheint: Nichtstun fördert tatsächlich die Produktivität. Es bringt uns auf neue Gedanken, schafft Raum für mehr Inspiration und lässt uns entspannen – eine willkommene und vor allem gesundheitsfördernde Abwechslung auf den Stress, den Druck, den wir oft erleben. Außerdem hilft uns das Nichtstun dabei, Erlebtes zu verarbeiten, wodurch wir wiederum besser schlafen. Ihr merkt also, einfach mal nichts tun bringt definitiv einige Vorteile mit sich, weswegen wir es öfter praktizieren sollen und zwar ganz ohne schlechtes Gewissen. Die Holländer haben sogar ein Wort dafür, nämlich Niksen. Also sich die Zeit dafür nehmen, nicht produktiv zu sein. Auch die Italiener haben wie gesagt ein schönes Sprichwort: Dolce far Niente, was soviel bedeutet wie “die Süße des Nichtstuns”. Lasst uns bei unseren Nachbarn etwas abschauen, das Nichtstun lernen, dabei die Gedanken schweifen lassen und uns entspannen. Insbesondere wenn wir viel zu tun haben, sollten wir öfter gar nichts tun. So wie bei dem Sprichwort: Hast du es eilig, dann gehe langsam (oder mache einen Umweg). 

Wie kann das Nichtstun im Alltag aussehen?

Beim Nichtstun müsst ihr das Wort natürlich nicht auf die Goldwaage legen und einfach nur still dasitzen, obwohl auch das sehr schön sein kann. Vielmehr geht es darum, etwas zu tun, das nicht im wahrsten Sinne produktiv ist, etwas, bei dem ihr nicht das Gefühl habt, etwas leisten zu müssen. Eine unzielgerichtete Aktivität sozusagen. Damit unser Tun im Dösen und Ausruhen versinkt. Klingt erst einmal befremdlich? Keine Angst! Nichtstun lässt sich ganz leicht in den Alltag integrieren – wie hektisch er auch sein mag. Ein paar kleine Ideen möchte ich euch gerne mit auf den Weg geben.

Schaukeln für Klein und auch für Groß

Meine Idee zur Langsam-bis-gar-nicht-Stimmung kam im Schaukelstuhl – ein Zufall? Das glaube ich nicht. Vielmehr hat mich wohl das hin und her wippen des Stuhles unbewusst in den Entspannungsmodus versetzt. Ob Stuhl, Hängesessel oder Kinderschaukel auf dem Spielplatz: Schaukeln macht glücklich! Denn unser Gleichgewichtssinn informiert unser Gehirn über das gleichmäßige Auf und Ab, wodurch signalisiert wird, dass alles in Ordnung ist. Also schnappt die nächste Schaukel-Gelegenheit am Schopf und schwingt hin und her – einfach so. 

Tagträumen nachhängen

Überall wird die Wichtigkeit von Achtsamkeit und “im Jetzt sein” betont. Wer achtsam ist, fokussiert sich auf die Gegenwart, nicht auf Vergangenes oder Zukünftiges. Aber auch kleines Abschweifen hat seine Vorteile. So fanden Forscher heraus, dass Tagträume unsere Kreativität fördern. Also einfach mal öfter aus dem Fenster schauen, Gedanken schweifen lassen und seinen Tagträumen nachhängen. Was seht ihr in der Welt? Welche Geschichte steckt hinter den Häusern, an denen ihr tagtäglich vorbeilauft? Welche Visionen habt ihr? 

Entspannungstechniken all mass

Nichtstun umfasst auch alle Aktivitäten, bei denen wir uns so richtig entspannen und die Seele baumeln lassen können. Für die einen ist es Meditation oder Yoga, für die anderen ein Bild malen oder Musik hören. Es gibt Entspannungstechniken all mass – wichtig ist, dass man sich die Aktivitäten heraussucht, die einem ganz individuell gut tun. Ich zum Beispiel meditiere nicht im klassischen Sinne im Schneidersitz auf einem Kissen, sondern versuche kleine Entspannungsmomente in meinen Alltag zu integrieren. Dabei hilft mir die ALI-Methode: Atmen-Lächeln-Innehalten. Damit kann ich immer und überall entspannen und zur Ruhe kommen. 

Faulenzia vom allerfeinsten 

Auf dem Sofa, dem Sessel oder im Bett liegen ist für mich der Inbegriff des Nichtstuns. Auch wenn das Wort Couchpotato sehr negativ konnotiert ist und Faulheit und Bewegungsmangel suggeriert, so mag ich es doch irgendwie. Für mich bedeutet es nämlich etwas anderes: Sich eine Auszeit gönnen, einfach nur hinsetzen oder -liegen, im wahrsten Sinne vielleicht auch ein paar Chips dabei essen, und die faulen Minuten oder Stunden genießen. 

Ein Fuß nach dem anderen

Manchmal kommen wir beim Ausruhen nicht richtig zur Ruhe. Hierbei kann dann etwas Bewegung helfen. Zum Beispiel durch einen schönen Spaziergang an der frischen Luft – ganz ohne Ziel, einfach nur einen Fuß nach dem anderen setzen. Beim Beinevertreten lässt sich außerdem wunderbar die Umgebung beobachten – eine weitere Aktivität, die wir selten tun. 

Wie zelebriert ihr das Nichtstun? Schreibt mir dazu gerne eine Mail und inspiriert auch mich, die gerne mal Hummeln im Hintern hat: Mail@MinisteriumFuerGlueck.de

Ganz viel Spaß & genießt die lange Weile!