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Schöne neue (Arbeits)Welt

Schöne neue (Arbeits)Welt
Wie sieht die Zukunft aus und wie wollen wir sie gestalten?

Der Denkraum für Soziale Marktwirtschaft beschäftigt sich mit der Zukunft unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Diese Initiative widmet sich in Partnerschaft mit Deutsche Post DHL Group den Herausforderungen, die die Digitalisierung für unsere Soziale Marktwirtschaft mit sich bringen wird. Der tiefgreifende Wandel in der Industrie und im Dienstleistungssektor sowie die Veränderungen unserer Arbeitswelt werfen grundsätzliche Fragen auf:
Was müssen unsere sozialen Sicherungssysteme im digitalen Zeitalter mit neuartigen Arbeitsformen leisten?
Wie fördern wir Innovationen und Experimentierfreude?
Wie sichern wir auf Dauer die Finanzierung unseres Gemeinwesens?
Wir knüpfen an den Dialog der vergangenen Jahre zwischen Politik, Wirtschaft und den Bürgerinnen und Bürgern im Denkraum an und wollen gemeinsam Antworten auf diese und weitere Fragen finden.

Als Beirat des Denkraums für Soziale Marktwirtschaft beleuchte ich die sozialen und menschlichen Aspekte, welche in den Diskussionen rund um Technologien und Digitalisierung nicht zu kurz kommen dürfen. Bei all dem technischen Fortschritt und den sich immer schneller verändernden Gegebenheiten in Gesellschaft und Wirtschaft sowie all der Informationsflut und Innovationskraft dürfen wir nicht vergessen, den Fokus auf dem zu behalten, was wirklich zählt: Dem Wohl der Gemeinschaft.

Hilft hartnäckiges Träumen? – Warum Fantasie und Vorstellungskraft so wichtig sind!
Wann trauen wir noch, so richtig verrückt sein und vermeintlich utopische Szenarien zu spinnen? Wann überraschen wir uns noch selbst und wie oft lassen wir unser inneres Kind raus und bauen Luftschlösser? Viel zu oft setzen wir unserer eigenen Fantasie Grenzen, dabei kann sie so hilfreich sein!
Wenn wir Innovationen kreieren und die Welt von morgen gestalten möchten, ist es wichtig, bestehende Regeln, Konformen und Erwartungen auch mal gut sein zu lassen und größeren Visionen, Träumen und Wünschen Platz einzugestehen. Und eben auch – oder erst recht? – wenn sie utopisch erscheinen.
Wieso verharren wir so oft im Alteingesessenen? Trauen uns nichts Neues, Verrücktes und Noch-nie-da-gewesenes zu? Weil es schief gehen könnte? Viel schlimmer wäre es doch, wenn wir es gar nicht erst versuchen.
Doch was ist alles möglich? Das ist uns so oft gar nicht richtig klar, weil wir es nicht so weit kommen lassen, scheinbar unmögliche Ideen entstehen zu lassen. Zu gefangen sind wir im Daily Business und in all unseren Routinen. Lasst uns mehr Gedanken-Experimente wagen, unsere Kreativität aufleben lassen und somit die Fantasie beflügeln. Das hält das Gehirn auf Trab und wir gehen auf Entdeckungstour fernab der ausgetretenen Pfade.
Hier gibt es kein richtig und kein falsch. Ersetzt alle „ja aber“ durch ein „ja und“ und es werden Wunder geschehen.

Neulich lief ich an einem Schaufenster vorbei und auf der Scheibe stand groß geschrieben „Hilft hartnäckiges Träumen?“ Meine spontane Antwort war sofort: JA KLAR! Denn nur, wenn wir träumen und uns unsere Ziele und Wünsche in den buntesten Farben ausmalen, sie uns lebhaft vorstellen, für uns realistisch zurecht legen, mit anderen teilen und sie nach außen tragen (Bewertungen sind egal!), dann haben sie überhaupt nur eine Chance, irgendwann zur Realität zu werden! Das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, das wächst und vermehrt sich. Das ist das Gesetz der Anziehung und funktioniert auch mit vermeintlich nicht realistischen Ideen.
Wenn wir aus unserer Lethargie und Bequemlichkeit herauskommen, hartnäckig träumen, Ängste überwinden und zu uns selbst stehen, kann Großartiges zustande kommen.

Ich möchte deshalb ein Bild zeichnen, wie meine Idee, meine Vision der (Arbeits)Welt in 2030 aussieht.
Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen? Weit gefehlt. Sie sind äußerst wichtig, wenn wir Dinge Realität werden lassen möchten. Denn nur, was wir uns lebhaft und visuell vorstellen und mit Leben füllen, das hält Einzug in unser Bewusstsein und wir erst dann beginnen wir, an der Umsetzung dessen zu arbeiten – direkt oder indirekt. Aber es wirkt.
Also lasst uns „spinnen“ und uns in den buntesten Farben die Welt vorstellen, in der wir in naher Zukunft wirken möchten. Nun heißt es, die Fantasie anzukurbeln und sich einmal vorzustellen, wir leben im Jahr 2030 und das hier ist der Status Quo. Wie fühlt es sich an? Ein Gedanken-Experiment:

Wie wollen wir leben und arbeiten? Mein Szenario für 2030.
Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Das ist auch gut so. Und nicht nur das, es ist eine digitale soziale Transformation. Wir haben nämlich erkannt, dass es essentiell ist, dass wir technologischem Fortschritt und soziale Nachhaltigkeit verknüpfen müssen, um eine glückliche Zukunft zu gestalten, in der auch unsere Enkel gut und gerne leben.
In der (Arbeits)Welt 2030 leben wir in einer Wirtschaft und Gesellschaft, in der eine Grundsicherung gegeben ist und die Existenz der Menschen nicht mehr allein von der Erwerbstätigkeit abhängt, da viele Bereiche digitalisiert und daher auch Arbeitsstellen ersetzt worden sind. Wir haben den Begriff der Arbeit neu definiert und gehen in vielen Bereichen auch Aufgaben nach, in denen wir unsere Selbstwirksamkeit entfalten können. Der Wert von Arbeit – ob bezahlt oder unbezahlt – wird anerkannt und gewürdigt.
Wir kommen mit diesen fluiden Trends immer besser klar und passen uns an neue Gegebenheiten, Technologien, soziale Konstellationen an, sind vorurteilsfrei, offen, blicken optimistisch und neugierig in die Zukunft, unterstützen uns gegenseitig und gehen neue Herausforderungen lösungsorientiert an. Die Ellenbogen sind durch eine ausgestreckte Hand ersetzt worden und wir haben erkannt, dass Kollaboration sinnstiftender und glücksfördernder ist als Konkurrenzdenken. Miteinander statt gegeneinander.
Stärkenorientiert agieren wir auf Augenhöhe, soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten gehen stark zurück. Technischer Fortschritt und Erneuerungen stellen keine Bedrohung mehr da, sondern zeigen durchaus auch Chancen auf. Wir nutzen diese Chancen und haben gelernt, dass wir aufhören müssen, uns auf das zu konzentrieren, was nicht funktioniert, sondern das zu stärken, was uns gut tut. Mehr dafür und weniger dagegen sein und mit gutem Beispiel voran gehen. So ermutigen wir immer mehr Menschen in unserem Land, teil dieses Wertewandels zu werden und die Begeisterung wächst, etwas zum positiven hin zu verändern, statt im Meckermodus zu verharren.
Die Digitalisierung ermöglicht uns, Freiräume zu schaffen, um in Themenfeldern zu wirken, die wirklich unseren Stärken entsprechen und in denen jeder von uns sich intrinsisch motiviert einbringen und entfalten kann. Immer mehr Menschen sind offen für Neues, entdecken verloren geglaubte Kreativität und bekommen Unterstützung darin, eigene Ideen stärkenorientiert in die Tat umzusetzen, um sinnvoll zu wirken, sich aktiv einzubringen und dem Gemeinwohl beizutragen.
Die Möglichkeiten, herauszufinden, wer man ist, wo persönliche Talente liegen und wie man das eigene Leben anpacken und verbessern kann, sind gegeben, gesellschaftlich etabliert und anerkannt. Themen wie Zufriedenheit, Persönlichkeitsentwicklung, Haltung, Empathie und wertschätzendes Miteinander werden schon an der Schule angeboten und es wächst eine Generation heran, für die es selbstverständlich ist, dass wir wertschätzend, ehrlich, offen und reflektiert mit uns selbst und anderen umgehen. Wir hören zu, fragen nach, helfen einander, Empathie ist ein wichtiger Faktor. Wir be- und verturteilen nicht, wir vertrauen einander und arbeiten gemeinsam an bestehenden Problemen und Herausforderungen. Wir handeln nach ethischen Werten und sind stets darauf bedacht, dass das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht.
Die Kommunikation ist offen und wertschätzend. Transparenz, Gerechtigkeit, Rücksichtsnahme, Respekt, Moral und Menschlichkeit stehen ganz oben auf der Agenda.
Die Arbeitswelt ist agil und schnell, Informationen fließen, wir sind weltweit vernetzt, stehen im Austausch, ziehen Kraft aus unseren Kontakten, erkennen und nutzen das Potenzial der Gemeinschaft. Es ist ein ausgeglichenes geben und nehmen zwischen allen Altersklassen, Rassen, Kulturen, Religionen, Geschlechtern, Orientierungen… Alle Menschen sind gleich.
Wir arbeiten in vielen Bereichen ortsunabhängig und individuell auf unsere Lebenssituation abgestimmt.
In der Wirtschaft werden Innovation und Experimentierfreude groß geschrieben. Nur, wer nicht nur outside the box denkt so wie früher, sondern vor allem auch danach handelt, der kann Neues entdecken und erschaffen.
Es kann sich dann entwickeln, wenn wir uns wohl fühlen, wertgeschätzt und sicher fühlen. Angst, Unlust und Demotivation, wie es früher Gang und Gebe war in der Arbeitswelt und was zu massivem Unwohlsein, seelischen Erkrankungen und Ausfällen geführt hat, all das fördert keine neuen Ideen, eine intrinsische Motivation – der Motor schlechthin – kann nicht entstehen und von Sinnerfüllung und Spaß am Wirken kann keine Rede sein. Das ist heutzutage zum Glück anders und den Menschen geht es wesentlich besser damit! Der kulturelle Wandel in der Wirtschaft und Gesellschaft tut uns allen gut.
Ideen entstehen und dürfen auch wieder verworfen werden. Trial and error ist ein ganz natürlicher Prozess und allgemein anerkannt. Man darf Dinge ausprobieren, ohne Netz und doppelten Boden.
Die Fehlerkultur hat sich grundlegend geändert, wir akzeptieren, wenn Ideen nicht funktionieren, adaptieren, beginnen neu und sind flexibel genug, damit umzugehen und neue Möglichkeiten daraus wachsen zu lassen.
Eine Garantie für Erfolg gibt es sowieso nicht. Aber was ist schon Erfolg? Macht und Status zählen in dem Sinne schon lange nicht mehr – das ist so 2018! Heute definieren wir Erfolg anders: Gemeinschaft, Freude, Erfüllung, Zufriedenheit. Weniger ist mehr. Ressourcen sind endlich und wir haben erkannt, dass wir nicht der Mittelpunkt der Welt, sondern Teil des großen Ganzen sind. Nachhaltigkeit ist kein leeres Buzzword mehr, sondern eine Lebenseinstellung. Es gibt keinen Planet B und danach handeln wir. Materielles wird immer unwichtiger, wir downsizen, sharen und upcyceln. Alles Tun und Handeln nur auf das Wirtschaftswachstum auszurichten war ein Modell, das nicht zukunftsfähig ist, wir kümmern uns um das Wohl von Mensch, Tier und Umwelt und erkennen frei nach Ghandi an, dass jeder von uns die Veränderung in der Welt sein muss, die wir uns wünschen.

Schöne neue (Arbeits)Welt. Es klingt wie eine Utopie? Zu schön, um wahr zu sein? Es liegt in unserer Hand. Wir können damit beginnen, die Welt genau so zu gestalten. Indem wir mit gutem Beispiel voran gehen. Hier und heute und jetzt. In kleinen Schritten. All das mag für den ein oder anderen naiv klingen, aber denkt immer dran:
„Menschen mit einer neuen Ideen gelten so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat.“
– Mark Twain

Und ihr werdet staunen: Das Gehirn macht keine Unterschiede zwischen Vorstellungen, ausgedachten Geschichten und der Wirklichkeit. Ob wir die Erlebnisse tatsächlich hatten oder sie uns nur in der Fantasie ausgemalt haben, sie werden als Geschehnisse abgespeichert. Das heißt: Je detaillierter wir unsere Ziele visualisieren und uns den Ablauf bewusster machen, je öfter wir uns das vor Augen halten und uns vorstellen, desto wahrscheinlicher wird es auch, dass man es wirklich macht, Themen angeht, Inhalte integriert – weil man sich quasi selbst den Weg ebnet, den Fokus setzt und sich dahingehend orientiert.

Fangt einfach an! Wie wäre es zum Beispiel, ihr bastelt euch ein buntes Visionboard? Nur für euch selbst, privat oder beruflich, macht es gemeinsam mit eurer Familie oder mit den Kollegen. Welche Werte stehen im Mittelpunkt? Welche Ziele habt ihr in näher Zukunft und in der fernen? Wie sieht das Miteinander aus, das ihr euch wünscht? Welchen Tätigkeiten geht ihr nach? Was seht/fühlt/riecht ihr?
Klebt, schreibt und sammelt wild drauf los, wie ihr euch euer Leben, die Gesellschaft oder eure Zukunft vorstellt. Egal, ob es machbar erscheint oder nicht. Einen Versuch ist es wert! Hängt es euch auf, ergänzt es, schätzt es wert, zeigt es anderen, kommt ins Gespräch, ergänzt es, adaptiert es… Ihr werdet sehen, es wird wachsen, genauso wie all die kleinen Möglichkeiten, Teile davon Schritt für Schritt wahr werden zu lassen. Dann heißt es nur noch: Mut zusammen nehmen und den Traum in die Tat umsetzen.

Ja, aber das geht ja nicht? Ja, und jetzt erst recht!
Denn: Geht nicht, gibt’s nicht. Und Grenzen bestehen nur im Kopf. Und genau hier warten auch tausende Möglichkeiten darauf, diese durch eigene Gedanken zu durchbrechen. Los geht’s, es gibt noch viel zu träumen – und tun!

Wer mitdiskutieren und vor allem mitgestalten möchte, dem sei dieser Termin ans Herz gelegt:
Der Denkraum für Soziale Marktwirtschaft knüpft an den Dialog der vergangenen Jahre zwischen Politik, Wirtschaft und den Bürgerinnen und Bürgern an:
Denkraum Digitale Soziale Marktwirtschaft, am 11. Juli 2018, von 9.15 bis 13.00 Uhr, Post Tower, Bonn
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