19. Juni 2026

Heute schon gelacht? Warum Humor als Schlüssel zum Glück gilt

In diesem Artikel möchte ich euch mitnehmen auf eine kleine, spaßige Fahrt: Wir schauen darauf, was Humor eigentlich ist, welche positiven Nebenwirkungen Lachen hat und warum Lachen und Humor so eng zusammengehören. Außerdem erfahrt ihr, was beim Lachen in eurem Körper passiert und warum wir überhaupt lachen.

Treffen sich ein Priester, ein Papagei und ein Pfannkuchen… Keine Sorge, ich werde jetzt nicht mein komplettes Witzrepertoire auspacken. Das besteht zugegebenermaßen aus einigen ziemlich flachen Klassikern und teilweise ist mein Humor so schwarz, dass es image-schädigend wäre.

Trotzdem lautet eine meiner Lebensdevisen: immer wieder zwischen tiefen Gesprächen und flachen Witzen hin- und herzupendeln, um das Beste aus beiden Welten zu vereinen. Wie beschrieb mich eine meiner besten Freundinnen so schön? Niveauflexibel.

Genau das schätze ich auch an meinen engsten Freundschaften: Wir können uns über Herkunftsfamilien, Traumata und Weltgeschehen austauschen – und im nächsten Moment zusammen rumalbern wie Pubertiere. Und gerade dieser zweite Aspekt geht im Alltag viel zu oft unter.

Dabei können wir alle, zumindest ein Stück weit, im Alltag öfter mal etwas albern, Konfetti ins Leben streuen, Humor kultivieren und ihn vor allem praktizieren. Für uns selbst, aber auch für andere. In diesem Artikel möchte ich euch mitnehmen auf eine kleine, spaßige Fahrt. Wir schauen darauf, was Humor eigentlich ist, welche positiven Nebenwirkungen Lachen hat und warum Humor und Lachen so eng zusammengehören. Außerdem erfahrt ihr, was beim Lachen in eurem Körper passiert und warum wir überhaupt lachen. 

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Ähnlich wie das Glück ist auch Humor sehr individuell. Erinnert euch einmal an eine Situation, in der ihr aus vollem Herzen lachen musstet, während die Menschen um euch herum euch eher irritiert angeschaut haben. Mir geht es immer so, wenn ich mit meinem Lieblingskollegen und Kumpel Micha Tomoff unterwegs bin oder im Workshop arbeite: Wir kennen uns seit vielen Jahren und haben einfach denselben – zugegebenerweise etwas derben – Humor.

Während wir uns die Wortwitze und Kalauer hin- und herwerfen, lauthals loslachen und uns oftmals nicht mehr einkriegen können, ernten wir oft verdutzte Blicke. Das passiert gerne auch mal während eines Seminars, dann lachen die Teilnehmenden aber wenigstens mit und es herrscht eine sehr lockere Stimmung. Spoiler: Humor mindert weder die Professionalität noch die Autorität, im Gegenteil: Es ist erwiesenermaßen so, dass Führungskräfte mit Humor als sehr authentisch und glaubwürdig eingeschätzt werden und es zudem vertrauensbildend wirkt, wenn man merkt, dass sich die Leitenden nicht immer allzu ernst nehmen.

Was ist also Humor? Humor meint die Fähigkeit, Situationen, Handlungen oder Worte so zu betrachten, dass sie lustig, scherzhaft oder spaßig wirken. Er dient also auch als eine Art innerer Filter, der beeinflusst, wie wir mit Ereignissen, Situationen und auch mit anderen Menschen umgehen. Denn sind wir mal ehrlich: Manchmal fühlt sich das Leben an wie ein einziger schlechter Scherz: Wir sind frustriert, übermüdet, unzufrieden. Wenn dann auch noch eine Kleinigkeit schief geht, wirft uns das völlig aus der Bahn. Im Nachhinein sind es aber oft genau diese Tage, über die wir die besten Geschichten erzählen.

Stellt euch folgende Situation vor: Ihr habt verschlafen, seid nun auf dem Sprung zur Arbeit, rwollt euch noch eben einen Kaffee einschenken – und alles geht daneben. Eine schöne Sauerei! Kurz darauf schnappt ihr euch euer Rad, um doch noch pünktlich zu kommen und dann springt euch auch noch die Kette runter. In dem Moment ist das alles andere als lustig. Mit etwas Abstand auf die eigene Wut und Aufgebrachtheit können wir solche Alltagsdramen aber neu bewerten – und manchmal sogar selbst darüber lachen. 

Denn der Kaffee, der auf den Tisch kleckert, und die Fahrradkette, die runterspringt, sind an sich erst einmal nur eine Aneinanderreihung blöder Zufälle. Humor bedeutet, dass wir diese Situation innerlich ein Stück drehen: Indem wir in solchen Momenten darüber lachen, nehmen wir ihr das Tragische und betonen stattdessen das Kuriose oder Komische daran. Wir „nehmen es mit Humor“, indem wir genau diese Facette der Situation hervorheben. 

Und genau das können wir trainieren: Humor ist nämlich nicht nur angeboren, sondern auch eine Haltung dem Leben gegenüber. Eine, die anerkennt: Es läuft selten perfekt, aber wir dürfen trotzdem (oder gerade deswegen) lachen.

Ein Dreamteam: Humor und Lachen

Humor und Lachen gehören zusammen wie Pech und Schwefel – und sind trotzdem nicht das Gleiche. Humor ist unsere innere Bewertung, unser Filter, der das Kuriose an Situationen sichtbar macht. Lachen dagegen ist die körperliche Reaktion darauf: eine reflexartige Abfolge von Muskelkontraktionen, Stimmgeräuschen und Atmungsaussetzern, die wir kaum kontrollieren können. 

Dieser angeborene Reflex wird uns im wahrsten Sinne bereits in die Wiege gelegt, denn bereits im ersten Monat können Babys lächeln und zeigen damit eine Reaktion auf ihre Umwelt. Und das behalten sie weiter bei: Kinder lachen nämlich im Durchschnitt um die 400-mal (!) am Tag; wir Erwachsenen schaffen es gerade einmal auf durchschnittlich 15-mal. 

Nicht, weil das Leben weniger lustig wäre, sondern weil wir es ernster nehmen und stärker in unseren Gedankenmustern hängen. Höchste Zeit, unserem geringen Lach-Wert Kontra zu bieten.

Sowohl Humor als auch Lachen gehen mit einer optimistischen Lebenseinstellung einher. Das zeigt sich auch darin, dass wir nicht gleichzeitig lachen und dabei wütend sein können. 

ℹ️ Wenn wir lachen…

Witz komm raus, du bist umzingelt

Witze funktionieren oft nach einem einfachen Muster, indem sie mit Erwartungen spielen: Wir hören eine kurze Geschichte oder auch nur einen Satz, durch den wir auf eine falsche Fährte geführt werden. Unser Gehirn bildet daraufhin eine Hypothese bzw. eine Erwartungshaltung auf, die sich der Witz zu Nutze macht. Denn zum Schluss kommtdie Pointe oder auch “Punchline” und schmeißt alles über den Haufen. 

Wenn uns dieser unerwartete Twist gefällt, wird im limbischen System die Emotion „Erheiterung“ ausgelöst. Und sobald die Kontrollregion im Gehirn diese Emotion freigibt, legen Stimmbänder, Gesichtsmuskeln und Zwerchfell los. Zack: wir lachen.

Wie bei diesem Witz zum Beispiel: 

“Was sitzt auf dem Baum und ruft Aha? – Ein Uhu mit Sprachfehler.”

Unser Gehirn macht dabei Folgendes: Zuerst denken wir bei „Aha“ vermutlich an jemanden, der etwas entdeckt oder verstanden hat. Wir bilden innerlich eine Hypothese, wie der Satz wohl weitergeht. Mit der Pointe wird diese Erwartung aber plötzlich umgedreht: Plötzlich erkennen wir, dass „Aha“ einfach wie „Uhu“ klingt; unser Gehirn muss die Situation neu sortieren.

Und wie bei jedem Witz: Sobald wir ihn erklären (müssen), verliert er seine Komik. Ist meinem Siebenjährigen ziemlich egal, er liebt genau solche Kalauer und dafür feiere ich ihn!

Lachen ist die beste Medizin! 

Humor hilft uns, Situationen innerlich neu auszurichten und negative Gefühle durch leichtere, positivere zu ersetzen. Dieser netter Nebeneffekt ist sogar wissenschaftlich belegt: 

Eine Studie der Uni Yamagata in Japan aus dem Jahr 2020 hat sogar gezeigt, dass das Sterberisiko bei Menschen, die wenig lachen, ca. 2,4 Mal so hoch ist, wie bei Viellachenden.  Zudem steigt das Risiko an Herz- Kreislauferkrankungen zu leiden oder Diabetes und Übergewicht zu bekommen. Viellacher dagegen hatten geringere Blutzuckerwerte und ein besseres Immunsystem. Eine Studie aus Norwegen zeigt sogar, dass Lachen die Lebenserwartung um bis zu 20% steigern kann! Lachen gilt als psychischer Stoßdämpfer, der uns davor schützt, besser mit negativen Emotionen klarzukommen (Sakurada, Konta, Watanabe et al., 2020). 

Gleichzeitig schüttet der Körper Endorphine aus, unsere Glückshormone, und reduziert Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol. Die Folge: bessere Stimmung, weniger Stress, weniger Schmerzen.

Kein Wunder also, dass Lachen längst medizinisch genutzt wird. Herzpatient:innen lachen in Studien ihren Blutdruck herunter, Schmerzpatient:innen erhöhen ihre Schmerzschwelle und Klinikclowns wie zum Beispiel von der Stiftung von Dr. Eckart von Hirschhausen Humor Hilft Heilen nehmen Kindern nachweislich Angst und Anspannung.

Klingt alles fast zu schön, um wahr zu sein? Sieht auch die Forschung so: Viele Effekte lassen sich beobachten, aber schwer exakt messen. Humor ist ein flüchtiges, spontanes Phänomen;  kaum jemand kann unbeschwert in einer engen MRT-Röhre loskichern, während Daten gesammelt werden. Und Blutabnehmen mitten im Lachanfall ist ebenso schwierig.

Trotzdem gibt es starke Hinweise:

  • Humor senkt das Schmerzempfinden
  • Lachen stabilisiert den Blutzuckerspiegel bei Diabetiker:innen
  • Humortherapien mindern Stresshormone
  • Humortraining macht Menschen emotional belastbarer

Wichtig zu erwähnen: Humor ist nicht gleich Humor. Während verbindender Humor positive Effekte haben kann, können Spott, Sarkasmus oder verletzende Witze langfristig auch belasten.

Ministerialer Tipp: Patch Adams – Tragikkomödie mit Robin Williams – über Humor, Empathie und zwischenmenschliche Beziehungen in der Medizin und ihre Wirkung; basiert auf einer wahren Begebenheit.

“Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag“

Dieser Satz soll von Charlie Chaplin kommen – eine Ikone in Sachen Spaß. Doch wie schaffen wir es nun, Humor stärker in unseren Alltag einzubinden und öfter mal zu lachen? Es müssen ja nicht gleich 400 Mal sein, aber lasst uns einen Anfang machen. Dafür habe ich euch vier Impulse mitgebracht: 

Lachen einladen

Da Humor sehr individuell ist, fragt euch zunächst einmal: Was finde ich eigentlich witzig? Bin ich eher Team schwarzer Humor, flacher Humor, Wortspiele oder Situationskomik? Mag ich Slapstick, Memes, Impro-Comedy oder die Videos von Menschen, die einfach spektakulär ungeschickt sind?

Und dann ladet euch das Lachen bewusst ein: Hängt euch ein lustiges Bild an den Badezimmerspiegel, damit ihr morgens direkt mit angehobenen Mundwinkeln startet. Schaut euch zwischendurch bewusst ein lustiges Video an, kauft euch Tickets für eine Comedy-Show, erzählt euch öfter Witze in der Familie, im Freundeskreis oder Kollegium oder meldet euch mal wieder bei der Person, mit der ihr immer Tränen lacht.

Apropos Comedy-Show: Seit vielen Jahren ist Impro- und Stand up Comedy meine Eskapismus-Strategie Nr. 1 in dieser oft verrückten Welt. Schlagfertig, flach, politisch, spitz, gesellschaftskritisch, frech und sehr wortgewandt staune, lache und kringel ich mich regelmäßig zu Shows von Till Reiners, Moritz Neumeier, Filiz Tasdan, Fred Costea & Co. So sehr, dass es schon mehrfach dazu kam, dass sie während einer Live-Show meine Lache aus dem Publikum kommentiert haben, da ich vor lauter Tränen und Japsen kaum Luft bekam. Zitat Neumeier: “Kann sich jemand mal um das sterbende Meerschweinchen dort hinten kümmern?”
Ich liebe übrigens diesen Muskelkater am nächsten Tag, bei dem man weiß, dass er durch die ungehemmte gute Laune kam.

60 Sekunden Lachen

Unser Körper reagiert nicht nur auf Gefühle; manchmal funktioniert es auch andersherum: Wenn wir uns freuen, lächeln wir. Gleichzeitig zeigen Studien Hinweise darauf, dass unsere Gesichtsmuskulatur wiederum beeinflussen kann, wie wir uns fühlen. Dahinter steckt die sogenannte Facial-Feedback-Hypothese.

Deshalb setzen auch Lachyoga, Lachseminare oder Lachtrainer auf genau diesen Effekt: Anfangs fühlt sich das Lachen vielleicht noch etwas gestellt an oder ist einem echt peinlich – aber nicht selten wird daraus nach kurzer Zeit echtes Kichern.

Probiert es aus: Stellt euch einen Timer auf 60 Sekunden und hebt bewusst eure Mundwinkel. Lasst die Augen etwas mitlachen, atmet lockerer und erlaubt euch, albern zu sein. Vielleicht kommt sogar ein kleines Grunzen oder Schmunzeln dazu. Und wenn ihr euch dabei zuerst ein bisschen komisch vorkommt: Willkommen im Club.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ihr am Ende doch grinsen müsst – über die Übung oder über euch selbst. Und beides zählt. 😉

Humor-Tagebuch schreiben

Unser Gehirn ist bekanntlich ein Sieb. Und so vergessen wir leider oft auch die witzigen Momente in unserem Leben. Ein Tagebuch, in dem wir notieren, was uns alles Komische im Alltag passiert, hilft, die Löcher in unserem Sieb zu stopfen: Notiert euch lustige Situationen – egal, ob ihr sie selbst erlebt habt oder einfach nur beobachtet oder erzählt bekommt. So wächst euer persönliches Witze-Repertoire, in dem ihr immer wieder stöbern und über Geschichten wie dem verschütteten Kaffee schmunzeln könnt. 

Wenn ihr euch an dieser Stelle denkt: “Wie, noch ein Tagebuch? Ich hab doch schon ein Dankbarkeits-, ein Gefühls- und ein Erfolgstagebuch”. Da würden wir auch ganz schön ins Strudeln kommen. Es geht bei solchen Impulsen nie darum, alles gleichzeitig auszutesten. Sondern euch zu fragen: Was ist gerade jetzt in meinem Leben dran? Möchte ich mich eher in Dankbarkeit üben? Meinen Ängsten stellen? Oder witzige Momente festhalten und somit Leichtigkeit ins Leben einladen? Das Humortagebuch muss auch gar nicht täglich befüllt werden und kann auch ganz alltagstauglich in der WhatsApp-Gruppe mit Freund:innen umgesetzt werden.

Lachen steckt an

Wie hat es Pipi Langstrumpf einmal so schön formuliert: “Warte nicht darauf, dass die Menschen dich anlächeln. Zeig ihnen wie es geht!”. In diesem Sinne: Lächelt Personen an, wenn sie euch im Park begegnen, wenn ihr an der Supermarktkasse steht oder wenn ihr in einen Bus einsteigt. Manche werden vielleicht etwas verdutzt schauen, aber die meisten werden zurücklächeln. Und wenn nicht: Das hat nichts mit euch zu tun; lasst euch davon nicht verunsichern. 

Und für die ganz Mutigen unter euch: Steckt andere nicht nur mit eurem Lächeln, sondern gar mit eurem Lachen an. Fangt einfach laut an zu lachen und schaut, was um euch herum passiert. Im Falle dieses Mannes haben irgendwann alle Menschen an der Bushaltestelle angefangen, mit ihm zu lachen. Dieses Beispiel zeigt wunderbar: Lachen ist die universellste und leichteste Form der sozialen Interaktion und Kommunikation. Und da ist sich auch die Wissenschaft einig, es heißt nämlich: Humorvolle Menschen haben nicht nur mehr Freude im Leben, sondern auch mehr Freunde!

Lachen, was das Zeug hält

Wenn wir ehrlich sind, gibt es im Alltag oft genug Dinge, die uns beschäftigen: volle Kalender, schlechte Nachrichten, kleine und große Sorgen. Und nein: Humor bedeutet nicht, alles wegzulachen oder immer gut drauf zu sein. Es geht nicht darum, Probleme kleinzureden oder das Leben durch eine rosarote Brille zu betrachten.

Mehr Humor und Lachen einzuladen bedeutet vielmehr, dem Leben mit einer gewissen Leichtigkeit zu begegnen und auch in chaotischen Momenten noch das Kuriose, Menschliche oder Absurde entdecken zu können. Genau deshalb ist Humor nicht das Gegenteil von Tiefgang, sondern manchmal sogar seine Ergänzung.

Und vielleicht ist das die eigentliche Einladung dieses Artikels: nicht ständig nach dem nächsten großen Glücksmoment zu suchen, sondern öfter mal über die kleinen Missgeschicke des Alltags, den schlechten Wortwitz oder euch selbst zu schmunzeln. Also: probiert die Impulse aus und lacht, was das Zeug hält. Werft euch Konfetti ins Leben und nehmt nicht alles so ernst – vor allem nicht euch selbst. Und: habt keine Angst vor Lachfalten! Wie ein Kind einmal so schön dazu sagte: “Das sieht aus wie Sonnenstrahlen um die Augen.”

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