26. Februar 2025

Mattering macht Menschlichkeit: Warum das Gefühl, wichtig zu sein, uns verbindet und stärkt

Wir Menschen sind soziale Wesen und einer der größten Faktoren für unser Wohlbefinden sind wertvolle Beziehungen. Gebraucht werden und sich um andere kümmern hat eine positive Wirkung auf unsere Zufriedenheit. Genau dabei geht es beim Mattering.
Gemeinsam

Dein Wohlergehen, mein Wohlergehen

Habt ihr euch schon einmal gefragt, ob ihr wirklich wichtig seid – ob eure Handlungen einen Unterschied machen? Genau darum geht es beim Konzept des „Mattering“ in der Psychologie. Es beschreibt das Gefühl, dass wir zählen, dass unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen für andere von Bedeutung sind. Wir werden nicht nur wahrgenommen, sondern spüren, dass unsere Worte und Taten das Leben anderer positiv beeinflussen. Dieses Gefühl stärkt das Selbstwertgefühl und kann unser Wohlbefinden erheblich beeinflussen.

Warum ist Mattering wichtig?

Wenn wir glauben, keine Rolle zu spielen, kann das zu Einsamkeit, Unsicherheit und sogar psychischen Belastungen wie Depressionen führen. Dieses Gefühl von Bedeutungslosigkeit wird als  “Anti-Mattering” bezeichnet. Menschen hingegen, die sich bedeutsam fühlen, haben hingegen oft mehr Selbstvertrauen, sind motivierter und erleben stärkere soziale Bindungen. Da kommt Mattering ins Spiel, denn wenn ich dafür sorge, dass es dir gut geht, geht es auch mir gut.

Beim Mattering geht es also darum, sich vollständig zu entfalten und ein erfülltes Leben zu führen. In der Psychologie wird dabei zwischen drei Ebenen unterschieden:

  1. Wahrnehmung (Awareness): Wir fühlen uns gesehen, wahrgenommen und wertgeschätzt.
  2. Wichtigkeit (Importance): Wir haben das Gefühl, dass andere uns als wertvoll und bedeutsam sehen und unsere Meinung zählt.
  3. Verlässlichkeit (Reliance): Wir sind für andere von Bedeutung, sie verlassen sich auf uns und würden uns vermissen.

Mattering im Alltag – kleine Taten, große Wirkung

Stellt euch vor, ihr arbeitet hart an einem Projekt bei der Arbeit, doch niemand nimmt eure Mühe wahr. Ihr fühlt euch übersehen und fragt euch, ob eure Arbeit überhaupt einen Unterschied macht. Wenn eure Führungskraft euch dagegen lobt und zeigt, dass eure Arbeit einen Unterschied macht, fühlt ihr euch automatisch wertgeschätzt. Und das wiederum hat eine positive Auswirkung für Unternehmen. Denn Mitarbeitende, die ihren Job als bedeutsam empfinden, sind engagierter und fallen seltener aus. 

Auch in persönlichen Beziehungen wirkt Mattering: So kann ein einfaches „Danke, dass du da bist.“ oder eine ernst gemeinte Nachfrage nach einem Ratschlag von euch das Gefühl geben, für jemanden wichtig zu sein. Auch kleine Gesten – etwa jemandem die Tür aufzuhalten, anzubieten, den schweren Koffer die Treppe hochzutragen oder die übrigen 10 Cent für den Kaffee zu übernehmen, wenn das Kleingeld nicht reicht – können das Gefühl verstärken, eine positive Wirkung zu haben. 

Eine gute Möglichkeit, um zu spüren, dass unser Beitrag zählt, besteht darin, uns für einen guten Zweck einzusetzen – zum Beispiel durch ehrenamtliche Arbeit. Ob in einer Suppenküche, bei der Unterstützung von Senior:innen, oder als Mentor:in für benachteiligte Jugendliche – es gibt viele Wege, sich einzubringen. Verschiedene Studien belegen, dass Ehrenamtliche oft ein höheres Wohlbefinden erleben. Sie fühlen sich gebraucht und erfahren eine tiefere Verbundenheit mit anderen, was das Selbstwertgefühl stärkt und zu mehr Lebenszufriedenheit führt.

Es ist ein Kreislauf

Der Psychologe Isaac Prilleltensky hat einen Kreislauf entwickelt, um Mattering differenzierter zu betrachten. Es geht um das Gleichgewicht, einen Wert zu schaffen (nach Außen) und sich wertvoll zu fühlen (nach Innen). Das Ziel ist es, einen positiven Kreislauf zu schaffen, bei dem sich beides ergänzt und befeuert.

Denn wer kennt das nicht: umso mehr wir ein Gefühl von einer Person vermittelt bekommen, wichtig zu sein, desto wahrscheinlicher leisten wir einen Beitrag für sie und ernten dann wiederum Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Kreislauf Mattering
Eigene Grafik nach dem Psychologen Isaac Prilleltensky von der University of Miami

Wie können wir unser Mattering steigern?

Nun das Schöne daran: Mattering können wir lernen! Wir haben euch ein paar Tipps zusammengestellt, wie wir das angehen können:

  • Sprecht offen über eure Bedürfnisse und Erfolge – Ihr seid wertvoll, also scheut euch nicht, das zu zeigen und auch proaktiv nach diesem Feedback zu fragen!
  • Sucht soziale Verbindungen – Menschen, die euch wertschätzen und dies auch ausdrücken, stärken euer Gefühl der Bedeutsamkeit.
  • Setzt euch Ziele mit Bedeutung – Ein Hobby, das euch erfüllt, oder eine ehrenamtliche Tätigkeit kann das Bewusstsein für euren Einfluss stärken.
  • Seid für andere da – wir fühlen uns oft selbst bedeutsamer, wenn wir anderen das Gefühl geben, wichtig zu sein. Es ist eine win-win Situation für beide Seiten und manchmal reicht es einfach, da zu sein und zuzuhören.

Mattering macht glücklich

Mattering ist mehr als nur ein nettes Gefühl – es ist essentiell für unser psychisches Wohlbefinden. Wenn wir das Gefühl haben, dass wir zählen, stärkt das unser Selbstwertgefühl, fördert unser Wohlbefinden und erhöht die Lebenszufriedenheit. Wenn ihr euch bedeutend fühlt, steigt das Engagement und könnt besser mit Stress und Herausforderungen umgehen. Das führt langfristig zu einer stabilen, positiven und resilienten Lebenseinstellung und -haltung. Achtet darauf, euch selbst und anderen immer wieder zu zeigen, dass ihr zählt. Denn ihr seid wichtig – für euch selbst und für die Welt um euch herum!

Falls ihr euch nicht nur informieren wollt, sondern professionelle Unterstützung braucht, könnt ihr euch jederzeit – ob Tag oder bei Nacht – kostenlos bei der Notfallseelsorge unter der 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 melden. Weitere Notfallnummern, findet ihr hier.

2 Kommentare

  1. Hallo zusammen,

    toller Beitrag, herzlichen Dank. In unserer immer egoistisch werdenden Welt so wichtig:-)

    welche Schattenseiten gibt es vom Mattering? ich denke z.B. an den sozialen Bereich wie Pflege oder auch einfach Menschen, die ein sogenanntes „Helfersyndrom“ haben.

    ich freue mich von euch zu lesen

  2. Hallo liebe Katharina, danke für dein liebes Feedback. Es freut uns, dass dir der Beitrag zu Mattering gefällt. Und du beschreibst einen ganz wichtigen Punkt: Wenn Mattering Dimensionen erreicht, in denen es nicht mehr darum geht, für andere Menschen wertvoll zu sein, sondern Menschen nur dann das Gefühl haben, „etwas wert zu sein“, wenn sie gebraucht werden, kann ein fragiler Selbstwert entstehen. Gerade in sozialen Berufen oder bei Menschen mit stark ausgeprägtem Helfen-Wollen besteht dann die Gefahr, die eigenen Bedürfnisse dauerhaft hintenanzustellen.

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